Flüchtlinge: Das australische Rezept für Europa?

Nach den jüngsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer empfahl der australische Premier Tony Abbott der EU, sich ein Beispiel an seiner Flüchtlingspolitik zu nehmen. Die australische Regierung hat seit längerem ein ähnliches Problem mit Armutsflüchtlingen aus Südostasien, die ebenfalls mit durch Schlepperbanden organisierten Booten versuchen, die australische Küste zu erreichen. Abbotts Regierung hatte daraufhin kurz nach ihrem Amtsantritt im September 2013 eine Initiative gestartet, bei der Schiffe der australischen Marine Flüchtlingsboote systematisch abfangen und zurückschicken – die meisten nach Indonesien. Diese Initiative nannte Abbott „Stopp the boats“ (deutsch: „Stoppt die Boote“).

Keine Asylsuchenden, keine Todesfälle

Flüchtlinge, die nicht sofort zurückgeschickt werden, kommen in Aufnahmelager im Inselstaat Nauru und in Papua-Neuguinea. Selbst wenn ihre Asylanträge anerkannt werden, müssen sie in der Regel dort bleiben und dürfen nicht nach Australien kommen. Der Erfolg dieser konsequenten australischen Politik: Seit fast 18 Monaten ist kein Boot mit Asylsuchenden mehr an der Küste angekommen, zudem sei kein Todesfall mehr auf dem Meer registriert worden. 2013, als noch etwa 300 Boote mit rund 20.000 Personen aus dem Ausland kamen, war es noch anders, wie Abbot erklärt: „Wir wissen von mindestens 1.200 Menschen – Männer, Frauen und Kinder –, die im Meer gestorben sind.“

Es scheint also ein wichtiges Signal sowohl an Schlepperbanden, als auch an die zahlreichen Armutsflüchtlinge zu sein, dass jedes Boot zurückgeschickt wird, oder die Menschen nicht ihr Ziel erreichen können, sondern in Auffanglagern außerhalb Australiens untergebracht werden.

90 Prozent wünschen sich australisches Modell

Für die EU-Außengrenze könnten ähnliche Maßnahmen entsprechende Entlastung bringen und hunderte Menschenleben retten. Die internationalen Gewässer vor der nordafrikanischen Küste sind zudem wesentlich einfacher zu überwachen als der indonesische Archipel. Und wie Australien mit Nauru und Papua-Neuguinea Abkommen zur Errichtung von Aufnahmelagern geschlossen hat, müsste die EU gleiches mit nordafrikanischen Staaten tun. Die öffentliche Meinung jedenfalls ist für eine Verschärfung der Politik gegenüber den Armutsflüchtlingen aus Afrika: Einer deutschen Umfrage zufolge wünschen sich über 90 Prozent der Befragten, dass die EU das australische Flüchtlings-Modell übernehmen soll.