Grußbotschaft an Erdogan

Ein seltsames Schauspiel genau für unsere Medienwelt inszeniert: Außenminister Sebastian Kurz lässt dem türkischen Premier Erdogan über die Medienanstalten des Landes ausrichten, dass er keine provokante Rede wünscht. Warum eine solche Inszenierung? Weil er nicht – wie üblich – den türkischen Staatschef direkt angerufen hat, sondern diese Botschaft nur für das ruhige Gewissen der ÖVP hinauskatapultiert hat. Er hat Erdogan nicht mal eine E-Mail geschrieben, wetten?

Kurz sorgt sich und warnt den türkischen Premier, keinen Keil in die Gesellschaft zu treiben. „Leider Gottes kann eine Rede, ein falscher Satz oder ein Aufruf in die falsche Richtung sehr viel an Integrationsklima zerstören und uns da wieder zurückwerfen.“ Na was jetzt? Wir dachten immer, es gibt in den Augen der ÖVP keine Integrationsprobleme? Und jetzt kann schon ein falscher Satz die heile Multikulti-Welt zum Einsturz bringen?

Die Kurz-Grußbotschaft ist zwar medial aufwändig inszeniert, in Wahrheit aber ein billiges Scheingefecht. Warum kein diplomatisches Gespräch mit Erdogan? Sehr simpel: Ein Erdogan, der die Türken im Lande seit Jahr und Tag dazu aufruft, die Integration zu verweigern, der die Türkinnen und Türken – trotz Staatsbürgerschaft – als seine Geschwister bezeichnet und erst vor einem Monat in Köln die Deutsch-Türken bestärkte „im Herzen bei mir zu bleiben, bleibt Türken“. Was glauben Sie, was dieser Erdogan dem Kurz gesagt hätte, wenn er ihn kleinlaut gebeten hätte, nicht über Nationalstolz und Religion zu sprechen, sondern nur über das Wetter und türkischen Honig?