Gute Nachbarn verstehen einander

Ab sofort bekommt man in Oberösterreich eine Genossenschaftswohnung nur, wenn man über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt. Nach dem Motto „Gute Nachbarn verstehen einander“ will Wohnbaulandesrat Manfred Haimbuchner mit dieser neuen Vergaberichtlinie ein besseres Zusammenwohnen ermöglichen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass mangelnde Deutschkenntnisse häufig Grund für Konflikte innerhalb der Nachbarschaft waren. Nun werde das Konfliktpotenzial deutlich entschärft. Gelten wird diese Richtlinie für Angehörige von Drittstaaten, also Länder außerhalb der EU.
 
Als Nachweis der Kenntnisse genügen das Zeugnis der Integrationsvereinbarung oder über einen Schulabschluss. Zudem gibt es die Möglichkeit, dass bei der Wohnungswerbung festgestellte ausreichende Kenntnisse der Sprache von mindestens einer im Haushalt dauerhaft lebenden Person nachgewiesen wird.

Manfred Haimbuchner im Gespräch:

80m²-Neubauwohnungen unter 650 Euro gibt es kaum. Wie kann die Politik hier gegensteuern?
 
Heuer haben wir eine Wohnbauoffensive gestartet. Dabei wurden zwölf Empfehlungen und 32 Pflichtvorgaben erarbeitet. Der Wettbewerb unter den Bauträgern hat zu einer sehr aufwändigen Ausstattung der Wohnungen und zu steigenden Kosten geführt. Wohnen kann man nur leistbar machen, wenn der Bau der Lebensräume weniger Kosten verursacht. Nicht die Wohnqualität soll beeinträchtigt, sondern die Leistbarkeit des Wohnens gewährleistet werden.
 
mh-interview-kleinIhre bisherige persönliche Bilanz als Wohnbaulandesrat?
 
Durchwegs positiv. Ich konnte die Bauleistung auf hohem Niveau stabilisieren. Wirtschaftliches Bauen wurde in Gesetzen und Verordnungen verankert. Und beim Eigenheimbau ist die Wahlfreiheit für die einzelnen Häuslbauer gesichert. Aber ich habe auch noch einiges vor.
 
Wie sieht die Situation bei Genossenschaftswohnungen aus: Ist in Sachen Wartezeiten in den letzten Jahren eine Entlastung spürbar?
 
Vom Bund aus Wien erhalten wir nur ein begrenztes Budget. Trotzdem ist es mir gelungen, die Wohnbauleistung bei rund 2.000 Wohnungen pro Jahr stabil zu halten. Damit liegt Oberösterreich im Spitzenfeld. Das Sonder-Wohnbauprojekt der Bundesregierung hat sich leider als Wahlkampfgag herausgestellt. Da bin ich persönlich immer noch sauer, das hätte uns schon geholfen.
 
Wie sieht es mit dem sozialen Wohnbau wegen des Sparzwanges künftig aus?
 
Immer nur nach mehr Geld zu schreien, ist mir zu billig. Wir setzen auf kreative Lösungen, wie zum Beispiel den Standardausstattungskatalog, um weiterhin 2.000 bis 2.500 Wohnungen jährlich errichten zu können.

Welche Herausforderungen gibt es im Wohnbau in der Zukunft?
 
Konkret gehen wir gerade das Projekt „Junges Wohnen“ an. Gerade jüngere Menschen benötigen dringend und unkompliziert Wohnraum. Daneben müssen wir auch den demographischen Bedingungen Rechnung tragen: mehr Singles, weniger Großfamilien. Gemeinsam mit Experten arbeiten wir auch hier an Lösungen, um nicht an den Bedürfnissen der Menschen vorbei zu bauen.