Klinger: „Bin bereit für ein Ministeramt“

Wolfgang Klinger ist seit 2003 Bürgermeister der 3500-Einwohner-Gemeinde Gaspoltshofen (Bezirk Grieskirchen), Landesobmann der Rings Freiheitlicher Wirtschaft, Gastwirt, Transport- und Bauunternehmer und Spitzenkandidat der oberösterreichischen FPÖ-Landesliste für den Nationalrat, dem er seit 2016 angehört. Von 2009 bis 2016 war der 58-Jährige Landtagsabgeordneter. Sein Bruder Willi Klinger ist Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing und wurde heuer zum Feinschmecker des Jahres ausgezeichnet. Der freiheitliche Spitzenkandidat kann sich im Interview mit dem „Kurier“ vorstellen, Wirtschaftsminister zu werden.

Wie bringen Sie so viele Aufgaben und Funktionen unter einen Hut?

Mein Grundspektrum ist das Unternehmersein. Daraus entwickelt sich mein ganzes politisches Sein und Tun. Es geht nur dann, wenn man sich die besten Leute holt. Ich habe sehr gute Mitarbeiter. Vollzeit äquivalent sind es in meinen Betrieben 20. In der Gemeinde acht.

Als langjähriger Unternehmer weiss ich, wo der Hase im Pfeffer liegt und was zu tun wäre. Unser Wirtschaftsprogramm, das unter dem Titel Fairness herausgekommen ist, umschreibt das in wesentlichen Punkten.

Die FPÖ beansprucht plötzlich Fairness, eine Partei, die immer eine harte Oppositionspolitik gemacht hat. Das ist ein neuer Ton.

Das, was wir immer gefordert haben, plappern jetzt die anderen Parteien nach. Nur weil wir das früher gesagt haben, soll das unfair gewesen sein? Dem kann ich überhaupt nicht folgen. Ich arbeite seit 30 Jahren in der Partei. Als ich begonnen habe, waren wir bei 2,8 Prozent der Wählerstimmen. Mittlerweile sind wir bei 20 Prozent. Wir werden noch stärker werden, denn 15 Prozent sind der Grundstock der Freiheitlichen. Ich nehme an, dass unsere Oppositionspolitik in kürzerer Zeit vorbei sein wird.

Sie kommen aus einem traditionellen FPÖ–Haus.

Ich komme aus einem ÖVP- und einem FPÖ-Bereich. Mütterlicherseits aus der ÖVP, väterlicherseits aus der FPÖ. Der frühere ÖVP-Landesrat Josef Stockinger ist mein Cousin. Politisch geprägt wurde ich durch meine Zeit an der HTL Saalfelden in den 1970-er Jahren. Unser Klassensprecher war Landesobmannstellvertreter der freiheitlichen Jugend in Tirol. Jörg Haider war damals der jüngste Abgeordnete im Parlament. Und im Inn- und Hausruckviertel ist der Freigeist traditionell verankert.

Viele in der FPÖ distanzieren sich heute von Haider.

Das mache ich nicht. Haider hatte einen Arbeitstag von 6 Uhr früh bis Mitternacht. Er hat aufgrund der permanenten Überbelastung Probleme bekommen. Er ist dann in den Argumentationen sehr wechselhaft geworden.

Sie waren Vizestaatsmeister im Judo. Was kann man daraus für das Leben lernen?

Judo ist dafür verantwortlich, dass ich Belastungen mental gut verarbeiten kann. Es hängt sehr viel mit Selbstdisziplin zusammen. Solange die Judokas beim Training nicht zur völligen Ruhe und zur Konzentration gekommen waren, hat der Trainer nicht dem Training begonnen. Der Judoka ist auch dazu angehalten, im Erfolg bescheiden zu sein und in der Niederlage den Kopf nicht hängen zu lassen.

Im Wahlkampf fällt das bescheidene Auftreten der FPÖ auf. Die Karikaturistin Andrea Maria Dusl fasste das in den Salzburger Nachrichten in dem Satz zusammen „Das genußvolle Warten auf das Vizekanzleramt ist die blaue Lösung“.

SPÖ und ÖVP haben das Land seit 1945 unter sich aufgeteilt. Wir sehen nun, dass wir mit unseren Themen Recht bekommen.

Dass zum Beispiel der Staat deutlich schlanker werden muss. Die Zwangsmitgliedschaft der Kammern muss hinterfragt werden.

Präsident Rudolf Trauner war mit dem Argument dagegen, dass sich dann nur die großen Industriellen durchsetzen und die kleinen und mittleren Betriebe auf der Strecke bleiben.

Die Industrie finanziert die Kammern überproportional. Mit der Auflösung der Zwangsmitgliedschaft kommt ihnen die Industrie als Finanzier abhanden. Die Wahlbeteiligung ist bereits auf ein Drittel gesunken. Aber dieser Moloch an Bonzentum und Direktorium wird aufrecht erhalten. Wir brauchen aber eine schlanke, serviceorientierte Kammer.

Mit der Auflösung der Pflichtmitgliedschaft wird es weniger Mitglieder, weniger Geld und damit weniger Service geben. Damit ist die Vertretung geschwächt.

Es gibt einen ganz großen Spielraum, die Effizenz und den Servicebereich maßgeblich zu verbessern. Die Kammer ist ein unüberschaubarer Moloch geworden. Wir vertreten zum Beispiel seit sechs Jahren einen Unternehmer, der Judogewänder herstellt. Die Wirtschaftskammer ist hier der größte Prellbock, dass kleine Unternehmer zum Zug kommen können.

Mit wem soll die FPÖ nach der Wahl koalieren? Mit der ÖVP oder der SPÖ?

Wir werden mit der Partei koalieren, die bereit ist, das Meiste unserer Forderungen umzusetzen. Es ist auch nicht gegessen, dass die FPÖ in der nächsten Regierung vertreten ist.

Würden Sie eine Regierungsbeteiligung begrüßen?

Ja, aber es darf unsere Linie nicht aufgeweicht werden, die lautet Sicherheit, Verwaltungsreform und die Beendigung des Filz in den Kammern.

Das Mauthausen-Komittee wirft der FPÖ Nähe zur Nazi-Ideologie vor.

Rülpser aus der Vergangenheit tun mir sehr weh. Ich bin 1959 geboren und trage seit 30 Jahren Verantwortung. Ich bin ein Bürgerlicher. Es ärgert mich wirklich, wenn da immer wieder etwas passiert. Ich wehre mich aber gegen eine Sippenhaftung, nur weil jemand das Maul blöd aufmacht. Es ist ungerecht, wenn man durch Fehler Einzelner eine ganze Familie in Misskredit bringt.

Die Linken halten aber alle FPÖler mehr oder weniger für verkappte Nazis, weshalb sie eine Koalition mit der ihnen ablehnen.

Das ist ein kompletter Blödsinn. Ob das stimmt, wird zu einem großen Teil bei dieser Wahl entschieden. Denn dann würden wir keine Stimmen bekommen. Es könnte aber auch für diese Leute zu einem bitteren Erwachen kommen.

Die SPÖ macht zum einen eine Nadelstreif-Politik und sie hat zum anderen Teil eine links-linke Antifa. Dazwischen hat sie ihr Arbeitnehmer-Potenzial völlig vernachlässigt.

Der Kern der FPÖ ist zweifellos deutsch-national.

Ich liebe dieses Österreich und verbringe auch hier meine Urlaube. Meine Kinder sollen es so vorfinden, wie ich es in der Vergangenheit vorgefunden habe. Jetzt gefällt es mir nicht mehr. Österreich soll den Österreichern gehören. Im Artikel 19 des Staatsgrundgesetzes heisst es, dass der Staat unverbrüchlich dazu verpflichtet ist, seinen Volksstamm in seiner Nationalität und Sprache zu erhalten. Davon verabschieden wir uns.

Die Migration ist Ihnen zu hoch?

Wesentlich zu hoch. Wenn wir nach Saudi Arabien, nach Abu Dhabi etc. fahren, finden wir dort muslimische Gesellschaften vor. Wir passen uns an die dortigen Verhältnisse an. Wir aber tolerieren es, dass jene, die zu uns kommen, sich nicht an unsere Gesetze halten. Hier muss man den ersten Schnitt machen. Wer die Gesetze nicht einhält, kann hier keinen Aufenthalt haben. Warum nehmen die muslimischen Länder nicht ihre Glaubensbrüder, ihre eigenen Leute auf?

In der Stadt Wien sind derzeit 55 Prozent der Geburten von Zuwanderern. 95 Prozent der Schüler in den Neuen Mittelschulen in Wels haben Migrationshintergrund. Das steht im klarem Widerspruch zum Artikel 19. Eine Umfrage hat ergeben, dass ein Drittel der Muslime bereit ist, die Scharia über die Staatsgrundgesetze zu stellen. Und ein Prozent ist gefährdet, radikalisiert zu werden.

Ich akzeptiere es nicht, dass über die Hintertür eine muslimische Gesellschaft installiert werden soll.

Was soll man tun?

Keine Staatsbürgerschaften und keine dauernde Aufenthaltsberechtigung für Menschen, die unsere Staatsgrundgesetze nicht anerkennen. DerZugang zur Staatsbürgerschaft muss massiv erschwert werden. Unser Land wird mit kulturfremden Menschen überflutet. Seit 2005 haben sich die Muslime verdoppelt. Es darf diese Art der Zuwanderung nicht mehr geben.

Es müssen die Probleme in den Ländern vor Ort gelöst werden, wo diese Menschen herkommen. Das weltweit größte Problem ist die Überbevölkerung.

Der neue ÖVP-Obmann Sebastian Kurz hat Ihrer Partei das Migrationsthema weggenommen.

Hier stellt sich die Frage der Glaubwürdigkeit. Kurz hat früher gesagt, dass die Muslime ein Teil der österreichischen Gesellschaft sind. Aber es freut mich sehr, wenn er hier einen Meinungswechsel vollzogen hat. Allein mir fehlt der Glaube. Nach der Wahl wird wieder alles ganz anders sein.

Eine Migrantin hat kürzlich gemeint, es habe sich durch die Regierungsbeteiligung der FPÖ in Oberösterreich für die Migranten nicht wirklich etwas geändert. Abgesehen von der Kürzung der Mindestsicherung.

Die Migrationsfrage ist Bundessache.

Ihr Obmann HC Strache schaut jetzt gegenüber Sebastian Kurz und Christian Kern alt aus.

Er ist jahrgangsmäßig der Ältere. Wenn wir ein entsprechendes Wahlergebnis bekommen, werden unsere freiheitlichen Themen umgesetzt werden müssen. Ich schätze Kurz sehr. Als Unternehmer, der 30 Jahre tätig ist, als Bürgermeister, als Parlamentarier nehme ich es jederzeit mit Kurz auf. Ich freue mich, wenn er bereit ist, die freiheitlichen Themen anzuerkennen.

Wer soll von der oberösterreichischen FPÖ in die Regierung kommen?

Wolfgang Klinger kann jederzeit ein Regierungsamt übernehmen, vor allem den Wirtschaftsminister.

Sie sind für den Wirtschaftsminister bereit?

Natürlich.

Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner ist auch im Gespräch.

Er ist ein hochintelligenter Mensch, er würde seine Sache auch nicht schlecht machen.