Linzer SPÖ legt sich mit „Grauen Wölfen“ ins Bett

„Rechts“ ist nicht gleich „Rechts“ für die SPÖ. Während die Sozialdemokraten die Freiheitlichen konsequent ausgrenzen, weil die Blauen den Roten angeblich zu weit rechts stehen, pflegt die Linzer SPÖ gute Kontakte zu einem örtlichen Verein der rechtsextremen türkischen „Grauen Wölfe“.

Am 7. Februar 2015, dem „Tag der Flagge“ der „Grauen Wölfe“, veranstaltete der Kulturverein „Avrasya“ ein Fahnenfest. Als Ehrengäste mit dabei: Integrationsstadtrat Stefan Giegler und Gemeinderat Franz Leidenmühler (beide SPÖ). Sie feierten in der ersten Reihe gemeinsam mit Publikum aus dem nationalistisch-islamistischen Milieu, berichtet das Nachrichtenmagazin „profil“. In der aufgeheizten Stimmung wurden riesige türkische Fahnen geschwenkt, Sympathisanten der „Grauen Wölfe“ reckten die Hand zum Wolfsgruß empor.

Auch Klaus Luger, roter Bürgermeister der Stadt, ist ein gern gesehener Gast des Kulturvereins. Im Oktober 2014 kam er auf ein „Kaffeeplauscherl“ vorbei und verstand die darauffolgende Empörung nicht, bei den Nationalisten auf Besuch gewesen zu sein. Er sehe es als seine Pflicht, auch mit Menschen den Dialog zu suchen, „die nicht mein Denken haben“.

Und bei den traditionellen Linzer Maiaufmärschen marschiert schon längst eine „Avrasya“-Delegation mit und wird vom roten Bürgermeister von der Bühne aus begrüßt.

Faschistische Hetze und Gewalt

Der „Avrasya“-Verein gehört zur Türkischen Förderation (Avusturya Türk Federasyon), einer ultra-nationalistischen Bewegung der extremen Rechten in der Türkei, die sich in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend islamisierte. Unter dem Dach des Zentralverbands sammeln sich rund 30 Moscheen. Sie richten sich – ebenso wie die diversen Vereine – an der Idealisten-Bewegung (Ülkücü) aus, die sich politisch in der „Partei der Nationalen Bewegung“ (Milliyetci Hareket Partisi, MHP) bündelt. Ihre Anhänger wurden als „Graue Wölfe“ bekannt.

Angestrebtes Ziel ist eine sich vom Balkan über Zentralasien bis ins chinesische Autonome Gebiet Xinjiang erstreckende Nation, die alle Turkvölker vereint. Dafür griffen die rechtsextremen Türken in der Vergangenheit immer wieder zu Gewalt. Wie sehr der Hass gegen Kurden, Armenier, Juden und Christen auch heute noch in den Köpfen verankert ist, zeigen zwei Beispiele aus Österreich. „Türke sein ist unser Gesetz, wer es verletzt, wird gnadenlos zerfetzt“, steht, eingerahmt von zwei Pistolen, auf einem blutrot eingefärbten Flugblatt. Und ein „Avrasya“-Aktivist bekundete im Oktober 2014 im Internet seine Sympathien für den Islamischen Staat (IS) in der syrischen Grenzstadt Kobane mit den Worten: „Ich hoffe, dass jeder YPG-PKK-Peschmerga Terrorist in Ain al-Arab (Kobane) qualvoll verreckt.“

In Deutschland sind die Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft, weil die „Grauen Wölfe“ nicht nur von einem großtürkischen Reich phantasieren, sondern auch vor Gewalttaten nicht zurückschrecken. Nach offiziellen Angaben griffen türkische Nationalisten in den vergangenen drei Jahren 15-mal Kurden oder kurdische Einrichtungen in Deutschland an. Auch attackierten sie mehrfach Polizisten und setzten dabei Waffen ein. Der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen wirft den „Grauen Wölfen“ vor, „zur Entstehung einer Parallelgesellschaft in Europa“ beizutragen, und sieht in ihr „ein Hindernis für die Integration der türkischstämmigen Bevölkerung“.

FPÖ fordert Distanzierung

FPÖ-Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner fordert nun eine klare Distanzierung der SPÖ vom türkischen Nationalismus „Bei Linksextremen ist alles gut, was fremd ist – sogar der türkische Nationalismus“, kritisiert der freiheitliche Landeschef. Außerdem erwartet sich Haimbuchner, dass in Zukunft beim 1.-Mai-Aufmarsch der Genossen keine „Avrasya“-Delegation mehr mitmarschiert.