Mahr: „31 Prozent FPÖ sollen sich in Gremien spiegeln“

Herwig Mahr ist Klubobmann der Freiheitlichen in Oberösterreich und zuständig für Energie und Wohnbau. Im Interview mit den „Oberöstereichischen Nachrichten“ spricht er über blaue Aufsichtsräte und Wohnen für Junge:

Jahrelang hat die FPÖ gegen den Parteieneinfluss in der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft und generell gegen Politiker in Aufsichtsräten gewettert. Jetzt haben Sie sich zum Aufsichtsratschef der Lawog und in den Aufsichtsrat der Energie AG wählen lassen. Wie passt das zusammen?

Ich stehe dazu, dass die 31 Prozent, die die FPÖ bei den vergangenen Landtagswahlen gewählt haben, auch ihre Vertretung in diesen Gesellschaften haben. Wo es vertretbar ist und der jeweilige Politiker ein Profi in der Materie, kann auch ein Politiker diese Funktion wahrnehmen. Ich komme aus dem Energiebereich und war 25 Jahre in der Immobilienbranche tätig. Daher ist es legitim, dass ich diese beiden Mandate übernommen habe. Generell greifen wir auf Experten zurück. Dass ich es wegen des Geldes machen würde, ist lächerlich. Es gibt für den Vorsitzenden 2.200 Euro Aufwandsentschädigung pro Jahr.

Das heißt, dass den Sitz der Stadt Wels in der Lawog auch ein Freiheitlicher bekommen soll?

Das wäre eine mögliche Variante.

Auch Wohnen für Junge soll leistbar sein. Das ist wichtiger als die allerhöchste Qualität in allen Bereichen.

Was wollen Sie mit Ihrer Expertise in der Lawog erreichen?

Dass Wohnen so günstig wie möglich ist.

Welche Möglichkeiten haben Sie da?

Einiges können wir nicht beeinflussen. Aber ansetzen muss man bei den Gebühren und Grundstückskosten. Es muss möglich sein, höher zu bauen, um die Grundstückskosten besser auf die Parteien aufzuteilen. Auch Wohnen für Junge soll leistbar sein. Das ist wichtiger als die allerhöchste Qualität in allen Bereichen.

In der Energie AG steht die Verlängerung von Finanzvorstand Andreas Kolar an. Wollen Sie diesen SPÖ-nahen durch einen FPÖ-nahen Manager ersetzen?

Dafür sehe ich keinen Anlass. Ich höre von allen Seiten, dass er einen guten Job macht. Da spielt die Parteiaffinität keine Rolle.

Ich bin für Anschubförderungen neuer Projekte. Aber irgendwann müssen sie sich auf dem freien Markt bewähren.

Bei der Energie AG stehen eine Abwertung und das nächste Sparprogramm an.

Das stimmt, ein zusätzliches Sparprogramm wird es geben müssen. Aber man sollte den Umstand, dass die Energieversorger an der Börse an Wert verlieren oder sonst abgewertet werden müssen, zum Anlass nehmen, die Förderstruktur zu hinterfragen. Ich bin für Anschubförderungen neuer Projekte. Aber irgendwann müssen sie sich auf dem freien Markt bewähren. Und man muss bestimmte Investitionen hinterfragen. Das Photovoltaikkraftwerk der Energie AG in Eberstalzell kommt bei einer Investition von 7,7 Millionen Euro auf 1,05 Millionen Kilowatt. Bei meinem Kleinwasserkraftwerk erreiche ich mit 1,1 Millionen Euro 1,5 Millionen Kilowatt.