Manfred Haimbuchner im KRONE-Interview

Ein volles Boot und das Wasser bis zum Hals. FPÖ-Landeschef Manfred Haimbuchner im „Krone“-Sommerinterview:

„Es herrscht eine Veränderungsstimmung im Land“

„Das Boot ist voll“ und „das Wasser steht uns bis zum Hals“: Zwei Bilder, mit denen FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner drastisch Oberösterreich beschreibt. Dem stellt er das „Hoamatland“ gegenüber – in dem er politische Veränderungsstimmung spürt. Ein Sommergespräch mit dem jungen blauen Spitzenkandidaten.

Sie sagen, das Boot ist voll. Wenn ich das höre, dann sehe ich so ein übervolles, halb versinkendes Flüchtlingsboot am Mittelmeer vor mir. Ist das die falsche Assoziation?

Naja, das ist meines Erachtens die falsche Assoziation. Das ist tragisch, was im Mittelmeer passiert, das ist überhaupt keine Frage. Aber auch unsere Aufnahmefähigkeit ist begrenzt – und deswegen sage ich, das Boot ist voll.

Eine andere Zeitdiagnose aus der FPÖ ist, das Wasser steht uns bis zum Hals. Da ist von Überfremdung die Rede, von Überschuldung, bedrohter Sicherheit, Arbeitslosigkeit. Ist es wirklich schon so schlimm in Oberösterreich?

Es ist schlimm. Die Menschen haben das Gefühl, dass nichts mehr weitergeht, dass die Belastungen immer größer werden, dass es keine Lösungen gibt in der Griechenlandkrise und auch, was das Flüchtlingsthema anbelangt. Sie haben kaum mehr Luft zum Atmen, gerade die arbeitenden Menschen in unserem Land, und deswegen kann ich sagen, ja, das Wasser steht uns bis zum Hals. Die Menschen wollen nicht, dass man ihnen dauernd erzählt, dass die Sonne scheint, wenn es regnet.

Was Sie persönlich all dieser Unsicherheit entgegensetzen, ist das Wort von der Heimat: Hoamatland, i han di so gern. Was meinen Sie damit? Die bewahrte Heimat, die abgeschottete Heimat? Was ist da der tiefere Sinn?

Heimat hat in erster Linie etwas mit den Menschen zu tun. Mit den Beziehungen zu den Menschen, mit unserer Kultur, unseren Traditionen. Das ist Heimat, und die Veränderungen in unserer Heimat machen mich sehr nachdenklich. Ich hab’ derzeit so das Gefühl, dass man die eigene Heimat, die eigenen Menschen nicht mehr schützt, sondern dass man sich für alles andere interessiert, aber nicht mehr für die eigenen Leute.

Sie möchten eine Volksabstimmung über einen Aufnahmestopp für Flüchtlinge. Jetzt will auch LH Pühringer von der ÖVP eine Obergrenze. Bewegt sich das also für Sie in die richtige Richtung?

Was mich beim Herrn Pühringer wirklich wundert, ist, jedes Mal vor einer Landtagswahl blinkt er rechts und biegt dann links ab nach der Wahl. Er übernimmt die Forderungen der FPÖ, eine nach der anderen, gleichzeitig verteufelt er uns indirekt. Er sagt, da gibt es Parteien, die sitzen erste Reihe fußfrei und hetzen.

Aber eine Volksabstimmung über Menschenrechte?

Ich bestreite das Asylrecht von Kriegsflüchtlingen überhaupt nicht. Aber wir können nicht alles Elend der Welt aufnehmen. Und es gibt kein Recht, sich den Sozialstaat seines Beliebens auszusuchen, als Wirtschaftsflüchtling. Deswegen müssen wir einmal die Quoten und Grenzen festlegen, ja, und dann gibt es eine Volksabstimmung. Darüber, wie viele Menschen man aufnimmt in Österreich.

Die Wahl-Umfragen für die FPÖ schauen sehr gut aus, manche gehen schon in Richtung 30 Prozent. Sie brauchen sich eigentlich nur zurücklehnen, heißt es .

Das ist halt auch eine Form des schmutzigen Wahlkampfes. Ich habe in den letzten fünf, sechs Jahren sehr viel gearbeitet, und es war das nicht immer eine leichte Zeit. Und jetzt ist eine Veränderungsstimmung da unter den Leuten, so wie in den 90er-Jahren, und deswegen ist die Zustimmung sehr groß. Die Umfragen sind aber Wahlpropaganda.

1997 hatte die Landes-FPÖ ihr bisheriges All-Time-High mit 20,6 Prozent.

Das ist das historische Potenzial, an dem orientiere ich mich. Mein Wahlziel ist, zweitstärkste Kraft zu werden, einen zweiten Regierungssitz einzunehmen und den Bürgermeister in Wels.

▶ Ein kurzes Interview-Video mit FPÖ-Chef Haimbuchner sehen Sie auf krone.at/ooe.

Quelle: https://goo.gl/vWMcsJ