Nachhaltige Zucht statt Muskelsucht

Bei Weißblauen Belgiern handelt es sich um eine Rinderrasse, die ihre überdurchschnittliche Muskelmasse einer Genmutation verdankt. Weniger Fett und weniger Knochen sind die positiven Merkmale der Zuchttiere. Doch ist das wirklich im Interesse der Konsumenten?

Bei der Rinderrasse aus Belgien sorgt das fehlende Protein Myostatin, welches eigentlich das Muskelwachstum hemmen soll, für etwa 20 Prozent mehr Muskelmasse. Gerade für magere Steaks eigenen sie sich deshalb. Ein Umstand, der dazu geführt hat, dass sie in Belgien bereit 87 Prozent des gesamten Fleischmarktes ausmachen. Auch in Frankreich steigt ihre Anzahl. Doch ihre Vorteile bringen auch einige Nachteile mit sich. So leiden die Tiere aufgrund des langsameren Knochenwachstums an Geburtsschwierigkeiten, Lungenproblemen und erhöhter Stressanfälligkeit. Auch Klauen- und Kieferprobleme werden häufig festgestellt. Gerade der erste Punkt führt regelmäßig zu Problemen, weshalb eine natürliche Geburt häufig nicht mehr möglich ist. Kaiserschnitte und sogar Leihmutterschaften werden deshalb bereits durchgeführt.

Immer schneller, immer mehr

Der Druck der Fleischindustrie, eine immer schnellere Schlachtung herbeizuführen geht dabei auf Kosten der Lebensqualität der Tiere, die zunehmendem Leiden ausgesetzt sind. Ein Phänomen, welches man so auch aus der Milch- und Eierproduktion kennt. So stieg die Milchleistung je Kuh und Jahr in den vergangenen vierzig Jahren um über 3.400 Liter. Die Milchleistung pro Kuh und Jahr beträgt bereits jetzt schon deutlich über 10.000 Liter. Die steigende Nachfrage nach Fleisch sorgt dabei für einen Zwiespalt zwischen den Interessen der Fleischindustrie und dem Wohl der Tiere.

Echte Qualität für Tier und Mensch

Das bekräftigt auch der Landesobmann der Freiheitlichen Bauernschaft Oberösterreich, Franz Graf: „Der Weg Richtung industrielle Tierhaltung zur Milch und Fleischproduktion muss gestoppt werden. Zum Wohle unserer Tiere und im Sinne unseres hohen Qualitätsanspruchs für in Österreich produzierte Lebensmittel“. Eine nachhaltige Viehzucht sei ebenso notwendig wie ein verwurzeltes Bauerntum, um langfristig die Gesundheit und Wohlbefinden von Tier und Mensch sicherzustellen. „Das kann aber nur von Bestand sein, wenn wir diese bessere Qualität auch mit echter Qualität- und Herkunftskennzeichnung schützen können und uns so vom Weltmarkt auch preislich absetzen können. Laut EU-Recht und den laufenden TTIP-Verhandlungen will man uns das aber nicht zugestehen“, so Graf.