Pfarrer in Bad Ischl macht sich für Asylanten stark

Die vierköpfige armenische Familie Hakobyan lebt seit November 2012 in Bad Ischl. Schlepper brachten sie im Lastwagen nach Österreich. Die Familie beantragte Asyl, weil Vater Lernik Hakobyan in seiner Heimat angeblich zufällig Zeuge eines Mafia-Mordes an einem Arzt wurde, den er mit dem Handy gefilmt haben will. Seither soll der 45-Jährige in Armenien mit dem Umbringen bedroht werden. Die österreichischen Behörden glauben die Geschichte nicht und lehnten den Asylantrag bereits zum zweiten Mal ab. Ein Abschiebeschutz besteht nicht mehr. Die Fremdenpolizei könnte die Familie jederzeit in Schubhaft nehmen.

In Bad Ischl regt sich aber Widerstand gegen die Abschiebung. Eigens wurde die Plattform „Armenische Familie in Not“ gegründet, deren Mitglieder sogar bereit sind eine Bürgschaft zu übernehmen. In der Tageszeitung „Kurier“ sagt Erich Hameter, der die Familie juristisch berät: „Wir haben ausgemacht, dass wir zusammenhalten. Notfalls werden wir uns körperlich wehren.“ Und Pfarrer Christian Öhler initiierte einen Protestmarsch durch Bad Ischl. „Wenn das Gesetz versagt, muss man die Menschen im Einzelfall schützen.“

Ganz anders sieht die Sache der ehemalige österreichische Botschafter in Mazedonien, Dr. Harald Kotschy. Er wohnt in Bad Ischl und hat dem Pfarrer einen offenen Brief geschrieben. Darin heißt es unter anderem:

Meiner Meinung steht es Vertretern der Kirche nicht an, gegen die Umsetzung von Entscheidungen von unabhängigen Gerichten oder Behörden mobil zu machen. Oder würden Sie sich – hätte ich z. B. jahrelang durch Vortäuschung falscher Tatsachen unberechtigterweise Arbeitslosengeld bezogen – auch mit gleichem Engagement für meine Straffreiheit einsetzen, nur weil ich und meine Familie voll integriert sind, in der Kirche allsonntäglich in der ersten Reihe sitzen, die Kinder Ministranten und Mitglieder des Fußballklubs sind?

Folgt man Ihrer Logik, dass die Rechtsordnung nicht einzuhalten ist oder Verstöße gegen sie nicht zu ahnden sind, weil Täter und seine Familie gut in der Gesellschaft integriert sind, dürften viele Alkolenker mit Todesfolgen (sie und ihre Familien sind meist auch gut integriert) oder ein Bankräuber, der sich mit der Beute sesshaft macht und fortan ein braves unbescholtenes Leben mit voller Integration in seiner Umgebung führt, gleichfalls nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Den ganzen Brief können Sie hier lesen.