Praktikanten schuften zum Nulltarif

Viele Studenten und junge Menschen wollen bzw. müssen für ihre Ausbildung ein Praktikum machen. Schon wiederholte Male gab es Berichte über Praktikumsplätze, die begehrt, jedoch schlecht bis gar nicht bezahlt werden. Auch bei den Einrichtungen in der EU arbeiten junge Menschen für eine gewisse Zeit mit. Nach wie vor fehlt jedoch ein Qualitätsrahmen für Praktika. Dieses Phänomen gibt es aber offenbar laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung auch im deutschen Bundestag.

FPÖ-EU-Abgeordneter Franz Obermayr hat bereits wiederholte Male auf diese Missstände hingewiesen und tritt für ein Mindestgehalt für Praktikanten im EU-Parlament ein. Auch österreichische Mandatare im EU-Parlament gäbe es, die ihren Praktikanten keinen Cent zahlen. „Es ist nicht einzusehen, warum diese jungen Menschen, die oft hervorragend ausgebildet sind und eine beachtliche Leistung erbringen, überhaupt keine Entlohnung, ja nicht einmal eine Aufwandsentschädigung erhalten sollen. Gerade das wäre bei Auslandspraktika besonders wichtig, denn ein- zwei Monate Brüssel ohne Zuverdienst muss man sich als Student erst einmal leisten können!“ Es komme demnach zu einer ungerechtfertigten sozialen Selektion.

Der jüngste Fall wurde nun in Berlin aufgezeigt. Eine rote Staatssekretärin sortierte einen motivierten Bewerber aus, nachdem dieser nach einer möglichen Entschädigung fragte. Pikant dabei: Die SPD hat ähnlich ihrer Schwesternparteien in anderen EU-Ländern eine Mindestvergütung für Praktikanten gefordert. Monatlich stehen Bundestagsabgeordneten über 16.000 Euro für Mitarbeiter zur Verfügung. „Da sollte man doch davon ausgehen können, dass die kolportierte soziale Ader der Sozialdemokraten wenigstens eine Mindestvergütung für erbrachte Leistungen möglich macht“, so Obermayr. Der 0-Euro-Praktikant ist für Obermayr „Beleg der unsozialen Sozialdemokratie.“ Wortreich werde das soziale Gewissen auf Wahlplakaten abgedruckt. „Es sollten endlich Taten folgen. Manche Praktikanten erhalten nicht einmal den Aufwand für Anreise und Unterkunft vergütet.“

Das alles ist jedoch kein bundesdeutsches Problem. Denn auch in Brüssel zeigt sich, dass die Abgeordneten von SPÖ und ÖVP kein Interesse an fairer Bezahlung haben. „Reine Willkür entscheidet“, so Obermayr, „darüber, ob es eine Bezahlung gibt oder nicht.“ Kleines Detail am Rande: Die freiheitliche Delegation bezahlt selbstverständlich 1.200 Euro monatlich.