Russland-Sanktionen: MAN Steyr schickt 2.000 Beschäftigte in Kurzarbeit

Die Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union gegen Russland haben erste Auswirkungen auf die heimische Industrie. Mit Oktober werden 2.000 der insgesamt 2.400 Mitarbeiter beim Lkw-Erzeuger MAN in Steyr in Kurzarbeit geschickt. Die Belegschaft wurde am Montag über die Maßnahme informiert. Um wie viel die Arbeitszeit tatsächlich reduziert wird, ist derzeit Gegenstand der Verhandlungen mit dem AMS. Gelten soll die Kurzarbeit vorerst bis Jänner 2015.

„Es wurde von Solidarität mit der Ukraine und Europa schwadroniert – jetzt droht das AMS an die Tür zu klopfen“, zeigt sich FPÖ-Nationalratsabgeordneter Gerhard Deimek betroffen über die „soziale und wirtschaftspolitische Katastrophe“. Die Freiheitlichen hätten „dauernd vor den Folgen der Sanktionspolitik gewarnt“. Deimek nimmt auch den MAN-Betriebsratsvorsitzenden Erich Schwarz in die Pflicht. Dieser hätte „schon vor Wochen“ von der bevorstehenden Kurzarbeit erfahren. „Warum hat er seine Stimme nicht erhoben und die Öffentlichkeit vor den Folgen der Sanktionspolitik gegen Russland gewarnt?“ Schwarz sagte in den Medien, dass die Belegschaft nicht überrascht gewesen sei, weil sich die Situation seit längerem abgezeichnet habe. „Wir haben gehofft, dass sich die Lage über den Betriebsurlaub entspannt“, das sei aber nicht eingetreten.

Kritik an den Russland-Sanktionen übte am Dienstag auch der Landesobmann der Freiheitlichen Arbeitnehmer (FA), Arbeiterkammer-Vorstand Manfred Pühringer: „Die große Weltpolitik wird auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen. Weniger Arbeit, weniger Verdienst, schlechtere Chancen sind der Preis für den blinden EU-Gehorsam unserer Regierung.“ Es sei noch nicht abzuschätzen, wie lange der für viele Industrie- und Wirtschaftsbereiche wichtige Absatzmarkt Russland ausfallen werde.