VOEST droht mit Abwanderung nach Amerika

Anlässlich des Spatenstichs für den Bau eines 550 Millionen Euro teuren Stahlerzeugungswerks in Texas (USA) denkt VOEST-Generaldirektor Wolfgang Eder ungewöhnlich laut über die Aufgabe des Standortes Linz nach. Mitte nächsten Jahrzehnts würden mehrere Hochöfen das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Mit Blick auf dieses Datum müsse sich die VOEST „die grundsätzliche Frage stellen, was langfristig der richtige Standort ist“, so Eder in einem Zeitungsinterview. Hart ins Gericht geht der VOEST-Chef auch mit der Industriepolitik Österreichs und der Europäischen Union. Eine falsche Umweltpolitik in Europa, hohe Steuerbelastung in Österreich und eine mangelnde Dialogbereitschaft der Regierung würden Standorte in Amerika und Asien deutlich attraktiver machen, ließ er in dem Interview durchklingen. Damit könnte in wenigen Jahren das Aus für die Stahlstadt Linz besiegelt sein.

„Fehlende Reformen, übereifrige EU-Hörigkeit. Dieser Mix bedroht nun den VOEST-Standort Linz und damit tausende Arbeitsplätze in Oberösterreich. Wir müssen alles daran setzen, um die Abwanderung zu verhindern“, zeigt sich FPÖ-Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner angesichts der ohnehin bereits vorherrschenden Rekordarbeitslosigkeit alarmiert. Steige die Arbeitslosigkeit weiter, sinke auch die Kaufkraft und in weiterer Folge wären dann auch andere Branchen bedroht, sorgt sich der freiheitliche Politiker um eine zunehmende Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Er fordert Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) deshalb eindringlich zum Handeln auf: „Es ist Zeit, endlich die Lohnnebenkosten zu senken. Es muss Schluss sein mit den fragwürdigen CO2-Emissionszertifikaten“, so Haimbuchner.

Aufhorchen lässt in der aktuellen Diskussion auch der Innviertler SPÖ-Nationalrat Harry Buchmayr – allerdings wenig konstruktiv. „Soll Eder halt gehen, wenn ihm Österreich und die EU zu klein sind“, wird der Abgeordnete in den Medien zitiert. Für den freiheitlichen Nationalratsabgeordneten Gerhard Deimek „ein höchst verzichtbarer Beitrag“. Der Bereichssprecher für Verkehr, Infrastruktur und Technologie im Parlament weißt Buchmayr in die Schranken: „Die VOEST-Rettung ist keine Propaganda-Schlacht. Immerhin geht es darum, Arbeitsplätze zu retten und den Standort langfristig zu sichern. Mit Verbalausritten kann niemand seine Miete bezahlen!“