Wer verdiente an der Griechenland-Pleite?

Hans-Werner Sinn, deutscher Wirtschaftsforscher und Leiter des Ifo-Instituts in München, analysierte vor kurzem, wohin die Milliarden der Griechenland-Hilfe eigentlich genau geflossen sind. Die Ergebnisse sind überraschend: Ein Drittel der Gelder sollte die Leistungsbilanz entlasten, ein Drittel diente der Tilgung von griechischen Auslandsschulden und ein Drittel der Vermögensanlage von superreichen Griechen im Ausland. Die Tilgung der Auslandsschulden kam dabei in erster Linie den internationalen Großbanken zu Gute. Was die Umverteilung von Geldern durch reiche Griechen angeht, schreibt Sinn: „In der Tat gibt es anekdotische Berichte, dass Griechen in großem Umfang Bargeld ins Ausland transferiert haben, um dort Vermögenswerte zu erwerben, so zum Beispiel nach Bulgarien, wo sie als Immobilienkäufer in Erscheinung traten.“

Damit zeigt Sinn auf, dass von den mittlerweile knapp 300 Milliarden Euro, die die Griechen erhalten haben, knapp 200 Milliarden entweder an die Banken flossen, oder über dunkle Kanäle an Privatleute. „Das Märchen, dass die Griechenland-Hilfe den kleinen und mittleren Unternehmen und dem griechischen Staat helfen sollte, ist damit eindeutig widerlegt. Zwei Drittel des Geldes haben entweder internationale Großbanken oder superreiche Griechen erhalten. Die EU hat bei der Kontrolle, was mit den Hilfsgeldern geschieht, offensichtlich versagt. Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Steuerzahler in Österreich und in den Nettozahler-Ländern in der EU“, kommentiert Oberösterreichs FPÖ-Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner die Analyse von Sinn. Insgesamt 11 Milliarden Euro hat Österreich mittlerweile für die Griechenland-Rettung gezahlt.