Oberösterreichs FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner teilt im „Krone“-Interview gegen den ORF aus, kritisiert den Umgang mit der Berichterstattung aus den Bundesländern, kann sich einen U-Ausschuss vorstellen – und verrät außerdem, warum er trotz Rückenwind keine absolute Mehrheit will. Das Gespräch führten Lisa Stockhammer und Nikolaus Frings.
Rund eineinhalb Jahre vor der bereits jetzt mit Spannung erwarteten Landtagswahl in Oberösterreich sprach FPÖ-Landesparteichef Manfred Haimbuchner mit der „Krone“ ausführlich über seine politischen Pläne. Die Causa rund um Landsmann und Ex-ORF-General Roland Weißmann will Haimbuchner im Detail zwar nicht kommentieren, wohl aber die blauen Reformpläne für den Rundfunk.
„Krone“: 2027 steht die Landtagswahl an. Angenommen, die FPÖ wird stimmenstärkste Partei: Gibt es dann einen Landeshauptmann Manfred Haimbuchner oder einen Kompromiss mit der ÖVP?
Manfred Haimbuchner: Es ist grundsätzlich so, dass der Wähler am Wort ist und dass wir immer der Meinung waren, dass die stärkste Partei im Bundesland den Landeshauptmann stellen soll. Das war für uns überhaupt nie eine Diskussion, auch wenn wir in Opposition waren. Und die stärkste Partei soll auch mit der zweitstärksten Partei zusammenarbeiten.
Also würden Sie gerne Landeshauptmann werden?
Manfred Haimbuchner: Nein. Was ich will, ist jetzt nicht das Relevante. Natürlich streben wir die Nummer eins an, das ist klar. Und wenn das der Wähler entscheidet, dann ist es, wie gesagt, auch klar, dass die stimmenstärkste Partei den Landeshauptmann stellen soll.
Es ist so, dass der Wähler am Wort ist und dass wir immer der Meinung waren, dass die stärkste Partei im Bundesland den Landeshauptmann stellen soll.
Welche Ressorts hätte die FPÖ gerne nach der Wahl?
Manfred Haimbuchner: Ich möchte heute, über ein Jahr vor der Wahl, niemandem ausrichten, welche Ressorts wir führen wollen. Das ist immer Verhandlungssache.
Innerhalb der OÖVP wird immer lauter kritisiert, dass man sich zu wenig von der FPÖ abgrenze. Nehmen Sie eine größere Distanz wahr?
Manfred Haimbuchner: Wir haben ein gutes Verhältnis. Das ist eher so eine Funktionärskrankheit, wenn Umfragen nicht ganz so gut laufen, dass dann Nervosität eintritt. Das ist menschlich und logisch erklärbar. Am Ende muss zusammengearbeitet werden.
Der neue Vorsitzende der SPÖ Oberösterreich, Martin Winkler, hat nicht ausgeschlossen, nach der Wahl mit der FPÖ zu koalieren. Wie stehen Sie dazu?
Manfred Haimbuchner: Ich bin ein Befürworter der Koalition von FPÖ und ÖVP. Es ist die Frage, wer für die SPÖ nach der Wahl überhaupt in der Regierung sitzt. Es wurde zuletzt in Oberösterreich im Schnitt alle zwei Jahre der Vorsitzende ausgetauscht. Winkler ist jetzt auch Stellvertreter von Andreas Babler geworden. Ich weiß nicht, ob das ein positives Zeichen einer Zusammenarbeit ist, wenn man sich zur Verfügung stellt, mit solchen Utopisten zusammenzuarbeiten.
Also rechnen Sie mit keiner langen Karriere von Martin Winkler in der Politik?
Manfred Haimbuchner: Ich rechne grundsätzlich mit überhaupt keiner Karriere mehr in der Sozialdemokratie, weil sie ihren Weg zu Ende gegangen ist.
Neben dem Landtag wird auch auf Gemeindeebene gewählt. Wie viele Bürgermeister glauben Sie, dass die FPÖ nach der Wahl stellt?
Manfred Haimbuchner: Ich gehe davon aus, dass wir über 20 Bürgermeister haben werden.
Was ich sicherlich bin, ist ein enger Mitstreiter von Herbert. Ich schätze seine Arbeit sehr, er ist ein sehr guter Stratege, verfolgt die Ziele ganz klar.
Sie gelten nicht als engster Vertrauter von Bundesparteiobmann Herbert Kickl. Wo unterscheiden Sie sich?
Manfred Haimbuchner: Was ich sicherlich bin, ist ein enger Mitstreiter von Herbert. Ich schätze seine Arbeit sehr, er ist ein sehr guter Stratege, verfolgt die Ziele ganz klar. Die Unterschiede sind klar: Ich komme aus der Ebene des Gemeinderats, also ich habe die Politik anders kennengelernt und habe sehr oft einen pragmatischen Zugang, den man aber auch nicht immer haben muss.
Kickl hat im „Krone“-Interview gesagt, er spreche mit einer „Schatten-ÖVP“. Sprechen Sie mit dieser auch?
Manfred Haimbuchner: Ich rede grundsätzlich mit allen. Ich bin auch schon bei Geburtstagsfeiern des politischen Mitbewerbers eingeladen gewesen, also außerhalb der ÖVP, auch aus dem linken Spektrum. Da haben sich manche gewundert, wie das überhaupt funktionieren kann. Rechnen Sie im Bund mit Neuwahlen und wenn ja, wie würden diese ausgehen? Derzeit nicht unbedingt. Ich gehe davon aus, dass wir in Richtung 40 Prozent gehen können.
Wäre eine absolute Mehrheit für Sie denkbar?
Manfred Haimbuchner: Wissen Sie, ich bin eigentlich überhaupt kein Freund von absoluten Mehrheiten. Ich bin schon einer, der davon ausgeht, dass Leute zusammenarbeiten sollten.
Ein Wechsel nach Wien ist für sie noch immer kein Thema?
Manfred Haimbuchner: Nein, mein Platz ist in Oberösterreich.
Sie gelten auch als Weggefährte und Unterstützer von Norbert Hofer, der jetzt politisch abgetaucht ist. Finden Sie das schade?
Manfred Haimbuchner: Der Norbert Hofer hat immer gesagt, er wird nicht ewig in der Politik sein. Und das ist natürlich auch zu respektieren.
Aktuell beherrscht der Skandal rund um ORF-Generaldirektor Roland Weißmann die Schlagzeilen. Wie könnte man den ORF entpolitisieren?
Manfred Haimbuchner: Die Frage ist, ob tatsächlich eine Entpolitisierung stattfinden kann bei einem Unternehmen, wo man das Gefühl hat, dass 80 bis 90 Prozent der Redakteure einen ganz klar linken Auftrag verfolgen. Man muss sich auch fragen, warum der ORF drei Sender betreibt, auf denen amerikanische Serien laufen. Und die Landesstudios versucht man auszuhungern – nicht einmal eine halbe Stunde Fernsehberichterstattung täglich für ein Bundesland halte ich für beschämend. Also wenn der ORF seinem Öffentlichkeitsauftrag nachkommen will, dann muss es hier eine ganz klare föderale Schwerpunktsetzung geben.
Man muss sich auch fragen, warum der ORF drei Sender betreibt, auf denen amerikanische Serien laufen.
Was halten Sie von einem U-Ausschuss zum ORF?
Manfred Haimbuchner: Gute Idee. Das ist Entscheidung des Parlamentsklubs, aber ich kann dem was abgewinnen. Wichtiger ist mir aber, dass man erst einmal die Haushaltsabgabe abschafft.
Was sagen Sie dazu, dass es laut Statistik Austria in Wels, Linz und Traun mehr Kinder mit Deutschproblemen als in Wien gibt?
Manfred Haimbuchner: Ich nehme diese Statistik zur Kenntnis, wobei man schon einmal schauen muss, wie diese zustande kommt. Weil ich kann mir nicht vorstellen, dass in Wien irgendwas besser ausschaut. Da muss man nur mit offenen Augen durch die Straße gehen.
Das Gesundheitssystem in Oberösterreich krankt, OP-Wartezeiten werden immer länger. Was läuft hier schief?
Manfred Haimbuchner: Wir haben eine absolute Spitzenmedizin, aber die breite Versorgung hat massive Mängel – auch, weil die Gesundheitskasse ihren Verpflichtungen nicht nachkommt. Wenn wir kürzere Wartezeiten wollen, dann müssen wir dafür Sorgen, dass der niedergelassene Bereich funktioniert.
Im Kepler Uniklinikum und in der Gesundheitsholding stehen personelle Veränderungen an. Immer wieder fällt der Name Meinhard Lukas. Was halten Sie davon?
Manfred Haimbuchner: Dazu will ich mich gar nicht äußern. Das ist ein großer Schaden, dass man hier ständig Themen in die Öffentlichkeit zieht. Ich mische mich in diese Bestellung nicht ein. Der Herr Kollege Lukas ist mittlerweile der Experte für alles in Oberösterreich. Aber es steht jedem frei, sich überall zu bewerben.
Das Land investiert hohe Summen in den Kasberg und den Linzer Flughafen. Ist das gerechtfertigt?
Manfred Haimbuchner: Das sind durchaus politische Entscheidungen. Beim Kasberg ist es wichtig, dass diese Infrastruktur nicht verloren geht. Niemand wird mehr woanders einen Skilift bauen. Und beim Flughafen muss man als Industriestandort schon den Anspruch von Flugverbindungen in die Welt haben.
Politische Gegner sehen die Verbindung Linz – Frankfurt als „Manager-Shuttle“.
Manfred Haimbuchner: Das halte ich für so eine Überschrift. Ist das abwertend gemeint? Es ist doch wichtig, dass der Flughafen von Leuten genutzt wird, die halt was zu arbeiten haben.
Wäre der Kasberg auch gerettet worden, wenn nächstes Jahr keine Wahl wäre?
Manfred Haimbuchner: Der Kasberg wäre schon vor zehn Jahren von mir gerettet worden.
Vor fünf Jahren haben Sie eine schwere Corona-Infektion nur knapp überlebt. Wie denken Sie heute darüber?
Manfred Haimbuchner: Für mich scheint es so, als wäre das vor Ewigkeiten gewesen. Der Jahrestag kommt jetzt bald, ich hab das auch in meinem Kalender. Man muss immer nach vorne blicken und positiv denken. Es ist vieles schaffbar, was man vielleicht vorher nicht geglaubt hat – und das Leben ist schön.
Das Interview ist am 14. März 2026 erschienen.