Blaues Heimspiel in Stadl-Paura: Kickl und Haimbuchner blasen zum Angriff auf Wien

Volles Haus, Gemüse vom Traktor und Klartext von der Bühne: Im Festzelt am Marktplatz von Stadl-Paura haben FPÖ-Chef Herbert Kickl und FPÖ-Landesparteiobmann, Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Manfred Haimbuchner gemeinsam mit FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz am Samstagabend den politisch heißen Herbst eröffnet. Das Ziel der beiden ist unmissverständlich: Platz eins im Land – und das Ende der „Verlierer-Ampel“ in Wien.

Lange bevor die Spitzenpolitiker die Bühne betraten, war im Festzelt am Marktplatz der Traun-Gemeinde im Bezirk Wels-Land kein Durchkommen mehr. Volle Bierbänke, Blasmusik, Bratwürstel – und ab 16 Uhr gab es vom Anhänger allerlei Gemüse direkt vom Bauernhof, gratis für alle. Auch der Messer- und Scherenschleifer hatte alle Hände voll zu tun. „Ein Zeichen, dass wir zu unseren Bauern stehen“, hieß es aus der Partei. Die Botschaft des Tages war aber eine andere: In Oberösterreich soll 2027 die Macht wechseln.

Haimbuchner: „Heimat braucht Haltung“

Gleich zu Beginn gehörte die Bühne dem Hausherrn. Manfred Haimbuchner, seit Jahren Juniorpartner der ÖVP in der Landesregierung, will das ändern – und zwar gründlich. „Unser Ziel ist klar: Stärkste Kraft in Oberösterreich. Und wer die stärkste Kraft ist, der stellt den Landeshauptmann. So war das immer, und so wird das auch 2027 sein“, rief er ins Zelt. Sein Motto für den Herbst hat der Landeschef gleich mitgebracht: „Heimat braucht Haltung. Das ist unser Motto in diesem Herbst. Und Haltung heißt: Man fällt nicht um, wenn der Wind von vorne kommt.“

Stolz zeigte sich Haimbuchner auf die Zahlen seines Bundeslandes – und nutzte sie für einen Seitenhieb auf die Bundesregierung mit ihrem Milliarden-Defizit: „Oberösterreich ist das einzige Bundesland in ganz Österreich, das nach den Maastricht-Regeln ein Plus schreibt. Das einzige! Der einfache Trick: Man gibt nicht mehr aus als man hat.“ Auch beim Arbeitsmarkt sieht er sein Land weit vorne: „Österreichweit gibt es 7,1 % Arbeitslosigkeit. OÖ hingegen ist in den Top 3 bei den Beschäftigungszahlen. Rund 800.000 Oberösterreicher gehen jeden Tag in der Früh arbeiten. Wir sind das Industrieland Nummer eins und das Exportland Nummer eins.“

„Die Häuslbauer sind zurück“

Besonders viel Applaus gab es für die neue Eigenheimförderung, die jetzt auch für Eigentumswohnungen gilt. Haimbuchner: „Die Anträge für Eigentumswohnungen haben sich im ersten Halbjahr verfünffacht. Die Häuslbauer sind zurück. Die jungen Familien sind zurück. Die bauen wieder, die kaufen wieder, die glauben wieder an ihre Zukunft.“

Dass die Landtagswahl mehr ist als eine Landesangelegenheit, machte der FPÖ-Landeschef ebenfalls deutlich: „Die Landtagswahl im nächsten Jahr ist natürlich auch eine Abstimmung über den Bund. Wenn Oberösterreich blau wird, dann zittert man in Wien noch mehr als ohnehin schon. Dann ist das der Anfang vom Ende dieser Verliererkoalition.“ Dem stimmte auch Generalsekretär Michael Schnedlitz ebenso zu wie die Besucher im Zelt am Marktplatz von Stadl-Paura.

Kickl: „Dann hat es sich ausgeampelt“

Auch Schnedlitz teilte in Richtung Bundesregierung aus. Dann folgte der Auftritt des Parteichefs. Herbert Kickl knüpfte nahtlos an den seine beiden Vorredner an. „Nächstes Jahr geht auch Oberösterreich in die Wahl. Unser Ziel ist klar: Wir wollen den Spieß umdrehen und nach dem Vorbild der Steiermark auch in Oberösterreich stärkste Kraft werden.“

Für die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS hatte Kickl wie gewohnt nur Spott übrig: „Bei der nächsten Nationalratswahl machen wir der Ampel einen dicken blauen Strich durch die Rechnung. Dann hat es sich ausgeampelt. Die werden hinausgekickelt aus ihren Ämtern.“ 

Inhaltlich arbeitete sich der FPÖ-Chef an den Sorgen der Menschen ab: „Die Regierung verspricht Entlastung, aber die Menschen spüren nur die Teuerung. Ob Strom, Miete, Tanken oder Lebensmittel – den Österreichern bleibt immer weniger im Börsel.“ Zum Thema Sicherheit sagte er: „Wenn sich die Menschen im eigenen Land nicht mehr sicher fühlen, hat die Politik versagt. Sicherheit ist die erste Pflicht eines Staates – und dieser Verantwortung muss sich die Politik endlich stellen.“ Auch wirtschaftliche Sicherheit gelte es wiederherzustellen, so Kickl: „Betriebe sperren zu, Investitionen bleiben aus und Arbeitsplätze geraten unter Druck. Wer da noch von Aufschwung spricht, redet sich die wirtschaftliche Realität schön.“

Blaues Duo mit einem Ziel

Zum Schluss wurde der FPÖ-Chef persönlich: „Ich will ein Österreich, in dem die Menschen wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken. In dem das Leben leichter wird, es wieder aufwärts geht und unsere Kinder es einmal besser haben als wir. Genau dieses Morgen ist mein Ziel für Österreich.“

Die Botschaft des Abends haben in Stadl-Paura jedenfalls alle verstanden: Die FPÖ will 2027 den Landeshauptmann – und danach den Kanzler. Der Heimatherbst geht am 26. Oktober mit einem „Neutralitätsfest“ in Wien zu Ende.