Gazette Österreich: Klar und deutlich – ein Gespräch mit FPÖ-Landesparteisekretär und LAbg. Michael Gruber über Glaubwürdigkeit, Gemeinden und die Sorgen der Menschen in Oberösterreich.

Interview LPS Gruber - Gazette Österreich

Viele Bauern klagen über Bürokratie, Kosten und Billigimporte. Was sagen Sie ihnen?
Michael Gruber: Unsere Bauern stehen unter enormem Druck – und das, obwohl sie Tag für Tag für regionale Qualität sorgen und unsere Kulturlandschaft erhalten. Wenn die EU gleichzeitig Milliarden in ein gescheitertes Asylsystem oder undurchsichtige NGO-Strukturen steckt, während unsere Bauern auf dem Altar von Konzerninteressen geopfert werden soll, ist das ein Hohn für unsere Landwirtschaft.

Die EU hat grade das umstrittene Mercosur-Abkommen auf Schiene geschickt. Was bedeutet das für unsere Landwirtschaft?
Michael Gruber: Das Mercosur-Abkommen ist ein Schlag ins Gesicht für unsere bäuerlichen Familienbetriebe: Es öffnet den Markt für Billigimporte aus Südamerika und setzt unsere Höchststandards schutzlosem Preisdruck aus. Aber: Frankreich zeigt, dass Widerstand wirkt – mit massivem politischen Druck, Vetodrohungen und nationalen Schutzmechanismen lässt sich dieses Abkommen noch stoppen oder wenigstens unsere Bauern schützen.

Wie kann das Land Oberösterreich denn seine Bauern und den ländlichen Raum besser schützen?
Michael Gruber: Ein wichtiger Hebel ist die öffentliche Beschaffung: Kantinen, Schulen und Pflegeheime sollen heimische Produkte einkaufen. Wenn Kinder und Jugendliche direkt am Hof sehen, wie Lebensmittel entstehen, wächst auch die Wertschätzung. Zudem brauchen wir eine ideologiefreie Energie- und Umweltpolitik, die unsere Betriebe nicht mit immer neuen Auflagen erdrückt. Wer hier lebt, arbeitet und sich an die Regeln hält, darf am Ende nicht der Dumme sein.

Herr Abgeordneter, die politische Stimmung ist gereizt, der Ton wird immer rauer. Wie erleben Sie das?
Michael Gruber: Man spürt die Nervosität des politischen Mitbewerbs auf allen Ebenen – von Brüssel bis in die kleinste Gemeinde. Wenn man keine Antworten mehr auf die echten Probleme der Menschen hat, greift man eben zu persönlichen Angriffen. Wir Freiheitliche lassen uns aber nicht auf persönliche Angriffe bis auf Gemeindeebene herab, sondern konzentrieren uns darauf, hart für Land und Leute zu arbeiten.

Was meinen Sie mit fehlenden Antworten – können Sie ein Beispiel nennen?
Michael Gruber: Nehmen wir die Teuerung. Viele Menschen fragen sich am Monatsende, wie sie Miete, Heizung, Sprit und den Wocheneinkauf noch zahlen sollen. Gleichzeitig erzählt die Bundesregierung, alles sei unter Kontrolle, während die Energiepreise und Gebühren weiter steigen. Das passt nicht zusammen. Freiheitliche Politik fußt auf Glaubwürdigkeit, diese haben die Regierungsparteien aber schon lange verloren.

Der Mitbewerber wirft der FPÖ im Gegenzug vor, nur zu kritisieren. Was entgegnen Sie?
Michael Gruber: Wer sich die Wahlprogramme und Anträge etwa im Landtag – aber auch im Nationalrat – anschaut, sieht: Wir legen konkrete Vorschläge vor – von Entlastungen bei Energie und Steuern bis zu einer echten Stärkung des ländlichen Raums. Die Nervosität der anderen Parteien kommt daher, dass ihre eigene Bilanz im Vergleich dazu sehr mager aussieht. Statt sich mit unseren Inhalten auseinanderzusetzen, greift man lieber zur Empörungsschublade.

Wenn Sie sagen, Sie konzentrieren sich auf die Arbeit für Land und Leute – was heißt das konkret für Ihre politische Rolle?
Michael Gruber: Politik ist für mich kein Showgeschäft, sondern eine Verantwortung, die man jeden Tag erfüllen muss. Das heißt: hinfahren, zuhören, Lösungen erarbeiten – egal ob bei der Feuerwehr, im Gemeinderat oder im Verein. Wer wie die Regierungsparteien nur mehr mit sich selbst, mit Posten und Schlagzeilen beschäftigt ist, verliert den Kontakt zu den Menschen – genau das darf uns Freiheitlichen nicht passieren.

Die FPÖ wird oft als „zu radikal“ oder „zu hart“ beschrieben. Stört Sie dieses Bild?
Michael Gruber: Wenn „zu hart“ heißt, dass wir Missstände klar benennen und nicht alles schönreden, dann kann ich mit diesem Etikett gut leben. Die Menschen spüren sehr genau, wer ehrlich ist und wer ihnen vor der Wahl etwas verspricht, das er nach der Wahl wieder bricht. Wir stehen dazu, dass zuerst unsere Leute, unsere Gemeinden und unsere Betriebe kommen – und nicht anonyme Interessen in Brüssel oder irgendwo in internationalen Konferenzsälen.

Gerade beim Thema EU und Brüssel wird Ihnen gerne vorgeworfen, die FPÖ sei grundsätzlich gegen Europa. Was entgegnen Sie?
Michael Gruber: Wir sind nicht gegen Europa, wir sind gegen eine EU, die immer tiefer in das Leben der Menschen hineindirigiert und nationale Parlamente entmachtet. Die Leute wollen keine anonyme Kommission, die über ihr Budget, ihre Landwirtschaft oder ihre Sicherheit bestimmt, sondern eine Politik mit Hausverstand, die in Österreich Verantwortung übernimmt. Eine EU der starken Vaterländer, die ihre Interessen selbstbewusst vertreten, wäre viel glaubwürdiger, als ein zentralistisches Konstrukt, das keiner mehr versteht.

Viele Bürger fragen sich, ob sich politisches Engagement überhaupt noch auszahlt. Was sagen Sie jungen Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich zurückzuziehen?
Michael Gruber: Gerade jetzt zahlt es sich aus, aufzustehen, einzumischen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Wer nicht will, dass andere über sein Leben, seine Gemeinde und seine Zukunft entscheiden, muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen – im Gemeinderat, im Verein, in der Partei. Wenn immer mehr Menschen sagen „Es hat ja doch keinen Sinn“, dann gewinnen am Ende genau jene, die von der Politik als geschlossenem System profitieren. Demokratie lebt davon, dass sich die Fleißigen und Anständigen nicht vertreiben lassen.

Das Interview ist unter https://gazette-oesterreich.at/2026/01/17/klar-und-deutlich-ein-gespraech-mit-fpoe-landesparteisekretaer-und-labg-michael-gruber-ueber-glaubwuerdigkeit-gemeinden-und-die-sorgen-der-menschen-in-oberoesterreich/ am 17. Jänner 2026 erschienen.