Günther Steinkellner

Linzer Ostumfahrung: Umweltbericht empfiehlt stadtnahen Korridor

A7 stößt zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen

Der Umweltbericht zur Strategischen Prüfung Verkehr für die Linzer Ostumfahrung liegt vor und empfiehlt den stadtnahen Korridor für die weitere Planung. In der Gesamtbetrachtung erreicht diese Variante laut Bericht die höchste Zielerreichung und weist das ausgewogenste Verhältnis zwischen verkehrlicher Wirksamkeit, wirtschaftlichem Nutzen und Umweltverträglichkeit auf. Gleichzeitig zeigt die Verkehrsprognose einen deutlichen Handlungsbedarf: Bis 2040 wird auf der A7 mit erheblichen zusätzlichen Verkehrsbelastungen gerechnet. Der stadtnahe Korridor soll insbesondere die A7 im Linzer Stadtgebiet entlasten und eine zusätzliche leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung im Zentralraum schaffen.

Mit der Fertigstellung des Umweltberichts ist ein wesentlicher Schritt der Strategischen Prüfung Verkehr abgeschlossen. Nach der Abstimmung mit dem Bundesministerium wird der Bericht veröffentlicht; anschließend hat die Öffentlichkeit sechs Wochen Zeit für Stellungnahmen. Danach folgt die weitere gesetzliche Behandlung über Ministerrat und Nationalrat. Erst mit der Aufnahme der Verbindung zwischen A7 und A1 in das Bundesstraßengesetz kann die ASFINAG mit der Detailplanung beginnen. Die konkrete Trasse wird dabei innerhalb des empfohlenen stadtnahen Korridors festgelegt, mit besonderem Augenmerk auf möglichst geringe Belastungen für Anrainer und Umwelt. „Mit dem Umweltbericht ist ein wesentlicher fachlicher Schritt gesetzt. Die Prüfung zeigt sowohl die Herausforderungen als auch die Wirkungen der unterschiedlichen Varianten sehr deutlich auf. Jetzt gilt es, das gesetzlich vorgesehene Verfahren konsequent weiterzuführen und auf Grundlage des empfohlenen stadtnahen Korridors die nächsten Schritte zu setzen“, betont Infrastruktur-Landesrat Mag. Günther Steinkellner. 

Für Steinkellner „liefert der Umweltbericht eine klare fachliche Grundlage für die nächsten Schritte.“ Es seien Verkehr, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt umfassend betrachtet und gegeneinander abgewogen worden. „Das Ergebnis zeigt, dass der stadtnahe Korridor die Ziele insgesamt am umfassendsten erfüllt.“  Besonders deutlich werde der Handlungsbedarf bei der prognostizierten Verkehrsentwicklung. Bis zum Jahr 2040 werden gegenüber 2025 auf der A7 nördlich von Linz rund 24.000 zusätzliche Fahrzeuge pro Tag erwartet. Auf Höhe Bindermichl sollen es rund 15.500 zusätzliche Fahrzeuge sein, südlich von Linz rund 10.000.

Die Prognosen berücksichtigen bereits Projekte wie die A26, den Ausbau der S10 und die D3 auf tschechischer Seite, die inzwischen bis an die österreichische Grenze heranführt. Gleichzeitig ist die A7 schon heute stark ausgelastet: Richtung Knoten Linz werden bis zu 105 Prozent erreicht. Bis 2040 werden nördlich von Linz Großteils Auslastungsgrade von über 95 Prozent erwartet, im Abschnitt Treffling–Linz-Dornach sogar 106 Prozent. „Diese Zahlen zeigen, dass wir nicht über ein theoretisches Problem sprechen. Selbst unter Berücksichtigung bereits geplanter Projekte verschärft sich die Situation auf der A7 bis 2040 deutlich. Wir brauchen daher eine zweite leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung für den Zentralraum“, so Steinkellner.

Neue Verbindung zwischen A7 und A1 – Weniger Belastung auf bestehenden Strecken

Der stadtnahe Korridor sieht eine neue Verbindung zwischen der A7 bei Niederkulm und der A1 im Bereich Mönchgraben/Tödling vor. Geplant sind zudem Anschlüsse an die B3, die voestalpine und die B1 sowie eine neue Donauquerung bei Traunspitz. Laut Umweltbericht könnte die Ostumfahrung die A7 im Linzer Stadtgebiet deutlich entlasten. Rund um den Bindermichl werden heute etwa 107.000 Fahrzeuge täglich gezählt, bis 2040 könnten es ohne Ostumfahrung rund 122.500 sein. Der stadtnahe Korridor bringt laut Bericht die größten Entlastungseffekte auf den besonders stark belasteten Abschnitten. Die Staustunden sollen um rund fünf Prozent pro Jahr sinken, auch bei der Verkehrssicherheit wird ein positiver Effekt erwartet. „Der entscheidende Effekt ist die Verlagerung des Verkehrs. Die bestehende A7 wird spürbar entlastet und gleichzeitig entsteht eine zusätzliche leistungsfähige Verbindung. Genau diese Netzredundanz fehlt dem Zentralraum heute. Weniger Verkehr auf den bestehenden, stark belasteten Routen bedeutet zugleich mehr Schutz für die Anrainer und eine spürbare Reduktion der Lärmbelastung“, erklärt Steinkellner.

Bahn- und verkehrspolitische Alternativen geprüft – Umweltwirkungen sollen reduziert werden

Neben Straßenvarianten wurden auch der Ausbau der Summerauerbahn und weitere verkehrspolitische Maßnahmen untersucht. Diese schneiden bei Umweltzielen positiv ab, erreichen laut Umweltbericht jedoch nicht dieselbe Entlastungswirkung für die A7 und schaffen keine zusätzliche leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung. Der stadtnahe Korridor ist mit Eingriffen in Natur, Landschaft sowie Boden- und Wasserressourcen verbunden. Da sich das Projekt noch in einem frühen Planungsstadium befindet, sollen diese Auswirkungen durch Trassenoptimierungen, Tunnelabschnitte sowie Anpassungen bei Linienführung und Höhenlage möglichst reduziert werden. „Der Umweltbericht legt keine fertige Trasse fest. Die konkrete Planung erfolgt nach Aufnahme in das Bundesstraßengesetz. Dabei muss innerhalb des empfohlenen Korridors eine Lösung gefunden werden, die die verkehrlichen Anforderungen erfüllt und Eingriffe in Natur und Umwelt möglichst gering hält“, so Steinkellner.