Die Verkehrsentwicklungen im abgelaufenen Jahr auf Oberösterreichs Autobahnen zeichnen ein klares Bild: Die Verkehrsströme im Norden Oberösterreichs nehmen weiter zu und erhöhen den Druck auf den gesamten Zentralraum rund um Linz. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung auf der S10. Im Vergleich von 2024 auf 2025 stieg das Verkehrsaufkommen hier um 4,1 Prozent, der Schwerverkehr sogar um 6,1 Prozent. Die Evaluierung bestätigt damit die Bedeutung der Weiterführung dieser zentralen Nord-Süd-Verbindung für das Mühlviertel.
„Die Ergebnisse unterstreichen klar, wie bedeutend die Weiterführung der S10 für die Bevölkerung und die regionale Wirtschaft ist. Sie wird die Ortsdurchfahrten entlang der B310 spürbar entlasten und zu einer Verbesserung des gesamten Verkehrsflusses beitragen“, betont Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner.
Zentrale Achsen müssen zusammengedacht werden
Steinkellner verweist darauf, dass große Infrastrukturprojekte nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Leistungsfähige Verbindungen in die Regionen entfalten ihre volle Wirkung erst dann, wenn auch im Zentralraum entsprechende Kapazitäten vorhanden sind. „Die Verkehrslage im Großraum Linz zeigt seit Jahren, dass das bestehende Netz an seine Grenzen stößt. Die Ostumfahrung Linz ist eine notwendige Ergänzung, um die bestehenden Routen zu entlasten und eine stabile Verkehrsstruktur zu schaffen“, so Steinkellner.
Die Ostumfahrung soll eine spürbare Entlastung der Stadtautobahn bringen. Ziel ist es, zusätzliche Verkehrsbewegungen aus dem Umland frühzeitig abzufangen und damit den Druck auf die bestehende Hauptverkehrsachse deutlich zu reduzieren. Grundlage dafür ist die vom Land Oberösterreich verordnete Trasse, die eine verkehrlich optimale Einbindung in das bestehende hochrangige Netz sicherstellt und langfristige Planungssicherheit gewährleistet. Mit der neuen Achse wird insbesondere der Durchzugsverkehr – vor allem der Lkw-Verkehr – von der stark belasteten A7 Mühlkreis Autobahn im Stadtgebiet von Linz sowie dem Nadelöhr des Bindermichl Tunnels auf eine leistungsfähige Umfahrung verlagert. Gleichzeitig erfolgt eine Entlastung der bereits heute überlasteten B1 Wiener Straße im Abschnitt Linz–Asten–Enns sowie eine spürbare Reduktion des Verkehrsaufkommens im Linzer Stadtstraßennetz, da verdrängter Verkehr wieder auf das hochrangige Straßennetz rückverlagert werden kann. Auch die B3 Donau Straße mit dem stark frequentierten „Chemiekreisverkehr“ wird deutlich entlastet. Durch die direkte Anbindung des Industriegebiets und des VOEST-Areals – insbesondere der voestalpine AG – werden Wegerelationen im Transit- und Güterverkehr wesentlich optimiert und Linz nachhaltig vom Schwerverkehr befreit.
Ausbau nördlich der Grenze verstärkt Verkehrsdynamik
Jenseits der oberösterreichischen Grenze wird der Ausbau zentraler Verkehrsachsen mit hohem Tempo vorangetrieben. Der nördliche Nachbar Tschechien errichtet in Südböhmen die Autobahn D3.
Im Jahr 2024 wurden drei Abschnitte – von Budweis bis Kaplice – mit insgesamt fast 30 Kilometern eröffnet. Gleichzeitig wurde der Bau der beiden letzten Teilstücke in Richtung österreichischer Grenze mit 15,5 Kilometern gestartet, die bereits 2026 in Betrieb gehen sollen. Ab Ende August 2027 wird damit ein Großteil der Strecke von der Grenze im Mühlviertel bis nach Prag durchgehend befahrbar sein. Die vollständige Fertigstellung der D3 ist bis voraussichtlich 2032 vorgesehen. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die Verkehrsverflechtungen im nördlichen Grenzraum weiter zunehmen werden und zusätzliche Verkehrsströme verstärkt in den oberösterreichischen Zentralraum geführt werden.
Anhaltender Druck auf das hochrangige Netz
Die aktuellen Gesamtzahlen bestätigen die Dynamik: Das Verkehrsaufkommen auf Oberösterreichs Autobahnen stieg insgesamt um 0,3 Prozent. Während der Schwerverkehr leicht zurückging (-0,4 %), nahm jedoch der Verkehr bis 3,5 Tonnen um 0,4 Prozent zu. Dabei verzeichnete die A07 eine Zunahme von 0,8 Prozent im Gesamtverkehr und 2,7 Prozent im Schwerverkehr. Aus Sicht der Stadt Linz ist die strukturelle Entlastung daher von zentraler Bedeutung. „Die steigenden Verkehrsströme aus dem Umland treffen heute direkt auf das innerstädtische Netz. Ohne zusätzliche leistungsfähige Verbindungen geraten zentrale Achsen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Die Ostumfahrung ist daher ein Schlüsselprojekt, um Linz langfristig verkehrlich abzusichern und Wohngebiete wirksam zu entlasten“, unterstreicht der Linzer Sicherheitsstadtrat Michael Raml.
Für Steinkellner ist die Evaluierung der ASFINAG zugleich eine klare Bestätigung des eingeschlagenen Kurses: „Die S10 und die Ostumfahrung Linz sind zwei zentrale Bausteine eines funktionierenden Gesamtnetzes. Nur gemeinsam schaffen wir stabile Verkehrsabläufe, bessere Erreichbarkeit und eine nachhaltige Entlastung der bestehenden Knotenpunkte – im Mühlviertel ebenso wie im Zentralraum.“ Die weiteren Planungen zur Ostumfahrung werden fortgesetzt. Ziel bleibt es, rechtzeitig auf die steigenden Verkehrsströme zu reagieren und die Leistungsfähigkeit des oberösterreichischen Verkehrsnetzes langfristig zu sichern.