Während die Neubautätigkeit österreichweit seit Jahren zurückgeht, zeigt sich Oberösterreich widerstandsfähig, betont LH-Stv. Manfred Haimbuchner. Auch bei thermischen Sanierungen geht viel weiter.
Wohnraum ist knapp und begehrt – wie stellt sich die konkrete Situation in Oberösterreich dar, vor allem in Bezug auf die Neubautätigkeit?
Die Situation ist herausfordernd, keine Frage, aber Oberösterreich steht hier deutlich besser da als der Bundesschnitt. Nicht nur das: Wir sind sogar Staatsmeister im Bereich des geförderten Wohnbaus. Während die Neubautätigkeit österreichweit seit Jahren zurückgeht, zeigt sich unser Bundesland widerstandsfähig. Wir gehen für heuer wieder von über 2000 neu fertiggestellten Miet- bzw. Mietkaufwohnungen aus, darunter 700 Mietkaufwohnungen und mehr als 600 Nachverdichtungsprojekte. Auch in Regionen wie dem Attersee oder Altmünster. Wo der Bund zögert, liefert Oberösterreich. Hinzu kommen wohl knapp 1000 Häuslbauer und zigtausende Sanierungsförderungen. Stellt man die Fertigstellungen der Bevölkerung gegenüber, hat Oberösterreich eine um knapp ein Drittel höhere Pro-Kopf-Bautätigkeit als Wien. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer konsequenten Förderpolitik: Mit der neuen Eigenheimförderung, die seit Jahresbeginn mit einem Fixzins von 1,5 % für zehn Jahre Planungssicherheit gibt und auch wieder Eigentumswohnungen mit einschließt, haben wir unsere hohen Antragszahlen stabil gehalten.
Welche Rolle spielen Sanierungen und Revitalisierungen in Oberösterreich?
Eine ganz zentrale. Sanierungen sind für uns nicht nur eine Ergänzung zum Neubau, sondern ein eigenständiges wohnungspolitisches Instrument, um die Verödung von Ortskernen sowie eine weitere Bodenversiegelung zu verhindern und den Erhalt bestehender Bausubstanz zu ermöglichen. 2025 haben wir dafür so viel bewegt wie noch nie: 9359 Wohneinheiten sowie 26 Heimplätze wurden saniert gefördert. Das ist ein historischer Höchststand, und der Trend zeigt seit 2023 kontinuierlich nach oben. Wir fördern das breit – von der Einzelbauteilsanierung bis zur umfassenden Sanierung. Das ist gerade jetzt wichtig, weil viele Menschen aufgrund gestiegener Zinsen und schwieriger Finanzierungsbedingungen ohnehin über Gebühr belastet sind.
Welche Förderungen bzw. Unterstützungen für Familien im Wohnbereich bietet das Land Oberösterreich derzeit an, nachdem ja einige Bundesförderungen ausgelaufen bzw. ausgeschöpft sind?
Wir haben hier ein System, das seit Jahren trägt und das wir gerade jetzt, wo auf Bundesebene Förderschienen auslaufen oder ausgeschöpft sind, konsequent weiterentwickeln. Die Wohnbauförderung ist für Familien in jeglicher Lebenssituation der richtige Ansprechpartner. Bei der Häuslbauerförderung gibt es etwa eine erhöhte Darlehenssumme je nachdem wie viele Kinder im zukünftigen Eigenheim leben werden. Ein wesentlicher Bereich, um vor allem auch einkommensschwächere Haushalte und Alleinerzieherinnen zu unterstützen, ist die Wohnbeihilfe. Dabei handelt es sich um einen direkten Zuschuss – ausdrücklich keine Sozialleistung – sondern an Erwerbseinkommen geknüpft. 2025 haben davon 23.748 Menschen profitiert, in Summe waren es 57,2 Millionen Euro.
Das Interesse am Neubau ist in Oberösterreich nach wie vor groß.
„Die Eigenheimförderung mit 1,5 % Fixzins auf 10 Jahre gibt Planungssicherheit.“
Dr. Manfred Haimbuchner
, LH-Stellvertreter
Eigenheim Förderaktion 1,5 %
Das Land Oberösterreich fördert die Errichtung von Eigenheimen, Reihenhäusern oder Doppelhäusern mit höchstens zwei Wohnungen sowie den Abbruch eines Wohnhauses und gleichzeitigen Neubau eines Eigenheims durch Gewährung von Zinsenzuschüssen zu einem Hypothekardarlehen der Oberösterreichischen Landesbank Aktiengesellschaft. Das Ansuchen ist von der Person vor Baubeginn einzureichen, in deren Eigentum die Liegenschaft ist. Dies muss durch einen Grundbuchauszug nachgewiesen werden, ein reiner Kaufvertrag ist dazu nicht ausreichend. Jede Wohnung muss eine Mindestgröße von 80 m² aufweisen. Die Basishöhe des geförderten Hypothekardarlehens beträgt 75.000 Euro. Erhöhungen sind möglich bei Kindern, Barrierefreiheit oder bei Errichtung einer zweiten Wohnung bzw. mindestens drei Reihen- bzw. zwei Doppelhäusern. Im Rahmen der Förderaktion 2026/2027 erfolgt die Förderung in Form von Zinsenzuschüssen zu einem Hypothekardarlehen der Oberösterreichischen Landesbank Aktiengesellschaft mit einer Laufzeit von 35 Jahren und einer Fixverzinsungsperiode in den ersten 10 Jahren der Darlehenslaufzeit. Der Fixzins beträgt 1,5 % p.a. Eine Antragstellung für diese Förderung ist noch bis 31.12.2027 möglich.
Kronen Zeitung, OÖ-Krone, Sonderbeilage „Bauen & Wohnen OÖ“, 19. September 2026, S. 8–9. Verfasst von Harald Hornacek
